
Le Jardin des Lys
Das Haus aus dem 19. Jahrhundert
Maison de Maître im 19. Jahrhundert
Das Haus "Le Jardin des Lys"
Das goldene Zeitalter der Herrenhäuser in Frankreich erstreckte sich von 1850 bis 1880. Diese Häuser sind oft an ihren rechteckigen Grundrissen und den grossen, freiliegenden Ecksteinen zu erkennen. Die Hauptfassade hat in vielen Fällen fünf Fenster, die mit der Tür und den Fenstern der unteren Ebene in einer Linie liegen. Die normalerweise zentralgelegene Eingangstüre ist über eine kurze Treppe erreichbar. Das gesamte Anwesen ist von einem schmiedeeisernen Gitter, das auf einer Steinmauer steht, umgeben. Ein markantes Tor kennzeichnet den Eingang zum Anwesen.
Herrenhäuser verfügen über grosse Empfangsräume im Erdgeschoss und aneinandergereihte Schlafzimmer im Obergeschoss. Hohe Decken von mindestens 3,5 Metern, Marmor- oder Steinkamine in den Hauptzimmern und Schlafzimmern sowie eine prächtige Innentreppe sind weitere Merkmale eines Herrenhauses. Das Haus kann sich in oder am Rande einer Parkanlage befinden, so wie es beim Haus «Le Jardin de Lys» der Fall ist, wo der alte Baumbestand noch heute auf die ehemalige Parkanlage hinweist.
Das Haus «Le Jardin des Lys» wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts an der Stelle zweier Bauernhöfe in der damaligen «Rue du Montjus» (heute: «Rue de la Fontaine») errichtet. Es wurde im Dorf als «das neue Schloss» bezeichnet und gehörte der Familie von Antoine Juvénal Christophe Christ und Anne Pétronille Annonciate Grandmessin, die dort gemeinsam mit zwei Angestellten lebten.
Herr Christ war Notar und Propriétaire. Als Notar hatte Herr Christ einen angesehenen Beruf und ein hohes Einkommen. In Verbindung mit seinem Status als Propriétaire war es ihm möglich, ein Anwesen zu bauen, das nicht nur seinen bürgerlichen Wohlstand, sondern auch seine gesellschaftliche Stellung im Dorf widerspiegelte. Er errichtete ein «Maison de Maître» mit einer Parkanlage sowie den erforderlichen Wirtschaftsgebäuden.
Vom Herrenhaus zum Kleinhotel
Nach der Familie Christ ging das Haus in Schweizer Hände über. Bis 1993 bewohnt Frau Maralyn Claudia Hudson, auch bekannt als Frau Schmidt, das Haus. Danach wurde die Firma «Inter Invest Generalunternehmungen» Eigentümerin. Ab 2005 war das Haus wieder in französischen Händen und diente bis Ende 2022 als kleines Hotel namens «Le Jardin des Lys».




Gründerfamilie
Antoine Juvenal Christophe Christ wurde am 9. Juni 1819 als Sohn eines angesehenen Chevaliers in Poussay geboren. Er war unter anderem Notar in einer Kanzlei in Saint-Remimont, etwa 12 Kilometer von Gemmelaincourt entfernt. Am 5. Juni 1850 heiratete er in Gemmelaincourt die rund 10 Jahre jüngere Anne Pétronille Annonciate Grandmessin aus Gemmelaincourt. Herr Christ verstarb im Alter von 70 Jahren am 8. Mai 1890 in Gemmelaincourt und wurde im Familiengrab «Christ-Grandmessin» auf dem Friedhof von Gemmelaincourt beigesetzt.
Anne Pétronille Annonciate Grandmessin wurde am 18. Januar 1830 in Gemmelaincourt geboren. Sie war die Tochter von Dominique Grandmessin aus Gemmelaincourt und Françoise Catherine Pétronille Leroux aus Saint-Menge. Ein Jahr nach ihrer Heirat mit Antoine Juvenal Christophe Christ im Jahr 1850 gebar sie einen Sohn, der jedoch noch im selben Jahr verstarb. Fünf Jahre später, am 20. Februar 1856, kam ihre Tochter, Marie Alice Christ zur Welt. Frau Grandmessin verstarb frühmorgens am 19. Juli 1913 im Alter von 83 Jahren in Gemmelaincourt und fand ihre letzte Ruhestätte im Familiengrab.
Marie Alice Christ heiratete am 29. Mai 1876 in Nancy den vielfach titulierten Félix Eugène Gebhart. Das Paar zog vermutlich nach Nizza. Als ihr Ehemann am 18. August 1903 im Alter von nur 57 Jahren in Lausanne (Schweiz) verstarb, kehrte sie nach Gemmelaincourt zurück, um bei ihrer Mutter zu leben. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1913 übernahm sie das Maison de Maître. Marie Alice Christ blieb bin zu ihrem Tod kinderlos.


Die oben dargestellte fotorealistische Szene zeigt eine Rekonstruktion von Frau Anne Pétronille Annonciate Grandmessin (Witwe Christ) mit ihrer Tochter Marie Alice Gebhart (ehemals Christ) auf einer Dorfstrasse um 1900. Die Szene wurde mit Hilfe künstlicher Intelligenz (chat.openai.com und gemini.google.com) generiert.
"Couple de Concierges"
Grosse Anwesen wie das «Le Nouveau Château» in Gemmelaincourt konnten aufgrund ihrer Grösse nicht alleine von den Eigentümern bewirtschaftet werden. Aufgaben wie Reinigung, Botendienst, Kochen, Heizung, die Koordination von Dienstleistern und die Gartenpflege wurden daher an sogenannten «Couple de Concierges» übertragen – verheirateten Paaren, die im Haus selbst wohnten und rund um die Uhr für die Hausarbeiten zur Verfügung standen.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann das traditionelle Modell des «Couple de Concierges» allmählich zu verschwinden. Der wachsende Anspruch der Angestellten nach mehr Privatsphäre sowie der Wunsch der Hauseigentümer nach kostengünstigeren und professionelleren Dienstleistungen führten schliesslich zum Untergang dieses Modells – auch im «Le Nouveau Château» in Gemmelaincourt.
Vor dem ersten Weltkrieg waren so zum Beispiel folgende Ehepaar für die Familie Christ-Grandmessin tätig:
Georges François Roux (*1867)
Marie Louise Bernhard (*1862)Eugène Latraye (*1864)
Thérèse Harmand (*1874)
Vor dem Tod von Anne Grandmessin wurden zusätzlich zwei Ordensschwestern, Marie-Thérèse Wendelmeyer und Louise Didier, für die Betreuung der alten Dame im Haus untergebracht.
Nach dem ersten Weltkrieg übernahm das Ehepaar Paul Louis Goudot (*1882) und Marie Louise Antenat (*1885) bis 1936 die Betreuung des Anwesens. Sie hatten eine gemeinsame Tochter, Marie Therese Jeannette Goudot, die 1910 geboren wurde und 1994 in Epinal starb.
KONTAKT
Le Jadin des Lys
8 rue de la Fontaine
88170 Gemmelaincourt
info@gemmelaincourt.com